Die Schweizer und Ihr Pulver
Das
Matterhorn, Toblerone, Heidi, das Schweizer Offiziersmesser
und die für
Ihre Gang-Genauigkeit bekannten Schweizer Uhren – alles
Begriffe, mit
der man weltweit
die Schweiz in Verbindung bringt. Weniger in der
Öffentlichkeit bekannt
ist,
dass in der letzten Schweizer Pulvermühle anerkanntermaßen
einige der
hochwertigsten Schwarzpulversorten
überhaupt hergestellt werden
– eben das „Schweizer Schwarzpulver“ und das
sogar schon seit 1853.
Um u.a.
das
Wissen über die in der Schweiz noch übliche handwerkliche
Herstellung
der Schweizer Schwarzpulversorten dem interessierten
Schwarzpulverschützen näherzubringen, habe
ich mich zusammen mit SPI-Mitglied Franz Müller
(Pulver-Müller!)
auf den Weg in die
Schweiz gemacht und dort am Genfer See ganz in
unmittelbarer Nähe von Lausanne in der französischsprachigen
Schweiz
fanden wir
Sie dann: ganz idyllisch in einem Seitental der Ortschaft
Aubonne
gelegen: die „Poudrerie d´Aubonne“


Das
weitläufige Gelände der Schweizer Pulvermühle - die "Poudrerie
d´Aubonne "
Schon bei
der Ankunft fühlt man die Geschichtsträchtigkeit
dieser Stelle – nicht nur weil in dem der Hauptverwaltung
gegenüberliegenden Gebäude Alexandre
Yersin (1863
– 1943)
, der Entdecker der Pesterreger geboren wurde.


und
hier
das
gegenüberliegende
Gebäude,
in
der
die
Haupverwaltung
der
Pulvermühle
nebst Büro untergebracht
ist und das am Eingang zum Werksgelände steht.

Franz
Müller
(links)
und
Bertrand
Briol
(kaufmännischer
Leiter
der
Poudrerie
d
Áubonne)
im
Gespräch. Im Hintergrund das Modell einer
Läufermaschine.
Bevor ich
das, was Franz und ich in der Pulvermühle in Hinblick auf
die industrielle Fertigung von Schwarzpulver sehen und in
Sachen
Produktion auch gleich "live" erleben durften versuche,
hier
möglichst nachvollziehbar und transparent wiederzugeben
zunächst einmal
ein
paar Worte zum Unternehmen „Pulvermühle Aubonne“ und zu deren
geschichtlichem
Hintergrund, der eng verknüpft ist mit der Geschichte des
Schweizer
Schwarzpulvers:
Generelle
Herkunft
und Entdeckung des Schwarzpulvers:
Chinesen und Inder waren die ersten die die Zusammensetzung einer dem heutigen Schwarzpulver sehr ähnliche Mischung fanden. Über Vorderasien gelangte dieses Wissen nach Europa, wo im 7. Jahrhundert Griechen erstmals Brandraketen („Griechisches Feuer“), die aus diesem Pulver hergestellt waren, gegen die Sarazenen einsetzten. Mitte des 13. Jahrhunderts war die Zusammensetzung des Pulvers und dessen Wirkung auch im westlichen Europa bekannt. Seinen Namen bekam das Schwarzpulver aufgrund der Bemühungen des Bertolt Schwarz, einem Mönch aus Freiburg im Breisgau, der im 14.Jahrhundert sehr viel mit dem Pulver experimentierte und zur Einführung von Feuerwaffen in erheblichem Umfang beigetragen hat und häufig als der Erfinder des heute bekannten Schwarzpulvers bezeichnet wird. Der wirkliche Erfinder ist jedoch kaum feststellbar.
Die Geschichte der Schwarzpulverproduktion in der Schweiz:
Seit dem
Mittelalter wurde dann auch in
der Schweiz
– vornehmlich von Bauern, die
neben dem landwirtschaftlichen Betrieb auch eine Pulvermühle
betrieben
–
Schwarzpulver produziert. Meist in sehr schlechter Qualität,
was dazu
führte,
dass viele der ersten Pulvermühlen durch Explosionen
vernichtet wurden.
1852
wurden dann die noch verbliebenen 5 Pulvermühlen staatlicher
Kontrolle
unterstellt und bereits 1894 wurden alle Schweizer
Pulvermühlen außer
denen in
Aubonne und Chur geschlossen.
Die
immer dichtere Besiedelung und der Bau einer Autobahn sorgte
dann
dafür, dass
schon 1976 die
Pulvermühle in
Chur geschlossen wurde. 1996
drohte
dann
sogar
ganz
konkret
die
Schließung
der
letzten
Pulvermühle
der
Schweiz in Aubonne.
Schon zu Beginn der 1990-er Jahre wurden Überlegungen
zur
Zukunft
der
Pulvermühle angestellt. Als dann das Ergebnis bekannt wurde,
dass ca.
4,5 Mio
Franken zur Sanierung der Anlage erforderlich wären, wurde
beschlossen,
die
Pulvermühle nicht mehr zu sanieren, sondern zu schließen. Mit
den
damals im Unternehmen noch verbliebenen 6
Mitarbeitern wurden sogar bereits entsprechende
Personalgespräche geführt.
Quasi in
letzter Minute erfuhr dann
Claude
Modoux, ein Unternehmer, der bereits mit den
Unternehmen
Negotrade LTD
und Modoux Services in Blonay am Genfer See schon mehr als 30
Jahre
weltweit
mit u.a. industriellen Sprengstoffen handelte, von der
drohenden
Schließung:
Schnell
wurde ein Übernahmeplan geschmiedet: Der Kanton
Waadt übernahm Grund und Boden und Claude Modoux pachtete mit
seiner
Unternehmensgruppe für die nächsten Jahrzehnte
die darauf befindlichen Fertigungsgebäude, übernahm
alle
Mitarbeiter und
führte somit das Unternehmen Pulvermühle
Aubonne fort. Fast wäre also 1996 das Schweizer Pulver
für immer
vom Markt
verschwunden. Von all dem hat man hier in Deutschland und in
der Welt
damals nicht viel
mitbekommen.
Franz und ich merkten den Mitarbeitern an, dass Sie ausnahmslos alle - wie Ihr Chef! - mit dem Herzen bei der Arbeit sind – denn es war zwar ein Unternehmer, der die Fans und Anhänger des Schweizer Pulvers vor dem schlimmsten bewahrt hat – aber unternehmerische Gesichtspunkte alleine gaben in Anbetracht der hohen erforderlichen Investitionssummen bestimmt nicht den Ausschlag zu dieser Entscheidung. Ich bin in Hinblick auf die von mir im April 2003 gegründete Schwarzpulverinitiative (SPI) bestens mit derartigen Ausgangsituationen vertraut, auch wenn es sich bei der SPI nicht ganz in derart hohen finanziellen Dimensionen abgespielt hat. Sei´s drum: Der Nachschub an Schweizer Pulver ist - hoffentlich noch möglichst lange - vorerst gesichert!
durch das
Fabrikgelände fließt ein kleiner Fluss, mit dem die verschiedenen
Aggregate und Maschinen angetrieben werden. Auf den Wiesen sorgen
Schafe dafür, dass das Gras nicht zu hoch wird. Möglicherweise
spielen
hier auch Sicherheitsaspekte eine Rolle - denn so braucht es
keinen Rasenmäher mit Benzinmotor und selbst die Sense braucht
nicht
gewetzt werden. So wird nachhaltig schon von vornherein die
Funkenbildung
jeglicher Art wirksam verhindert und umweltschonend ist
diese Vorgehensweise obendrein!!!
Kritisch wurde es dann noch einmal am 12. Februar 2003, als sich gegen 14:50 Uhr eine Verpuffung an der Körnermaschine ereignete die in Folge zur Explosion von ca. 80 kg Schwarzpulver führte. Ein 27-jähriger Mitarbeiter erlitt schwere Verbrennungen und musste per Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden. Glücklicherweise hatte der Mitarbeiter Glück im Unglück und konnte Anfang Januar 2004 seine Tätigkeit in der Pulvermühle wieder aufnehmen.
Unfälle
im
Herstellungsprozess von Schwarzpulver sind –
selbst bei größter Sorgfalt - kaum zu vermeiden. Sie begleiten
die
Geschichte
aller Pulvermühlen. Als Ende der 1980-er Jahre die
Pulvermühle
von
Dynamit
Nobel
in
Adolzfurt
in
Deutschland
explodierte,
war
das
zugleich
das
Ende der Schwarzpulverproduktion bei
Dynamit
Nobel. Heute gibt es in Deutschland
ebenfalsl nur
noch eine einzige Schwarzpulvermühle- die Kunigunde.

in französischer
und
deutscher Sprache wird vor Betreten des Pulvermagazins noch einmal
ausdrücklich vor der Mitnahme von Zündfunken erzeugenden Artikeln
klassischer Art gewarnt.
Der
Produktionsleiter der Poudrerie erzählte uns, dass
Schwarzpulver
in seinem Zündverhalten letztlich unberechenbar ist
und daher immer ein Restrisiko bleibt, das definitiv nicht ausgeschlossen werdne kann und auch mit den
besten und
konsequentesten
Sicherheitsbestimmungen nicht
ganz
beseitigt
werden
kann.
So
gibt
es
Situationen
wo
man
selbst
mit
einer
glühenden Zigarette, die man mitten
ins Pulver
hineindrückt keine Zündung zuwege bekommt. Fällt dann aber ein
paar
Sekunden
später nur ein kleiner Funke aus der Glut auf den Haufen, gibt
es eine
Stichflamme wie es sich Bertolt Schwarz in seinen kühnsten
Träumen
nicht
erhoffen durfte. Ja - es hat eine Seele dieses schwarze
Pulver. Der ein
oder
andere Schwarzpulverschütze hat diesbezüglich vielleicht auch
schon
seine ganz
persönlichen Erfahrungen sammeln können. Grund genug, sich vor
dem
Umgang mit dem schwarzen Pulver die zwingend erforderliche und
notwendige Sachkunde anzueignen und auch danach die
erforderliche
Sorgfalt nie (wirklich nie!!!) ausser Acht zu lassen!!

Nach diesem kurzen Ausflug in die Geschichte möchte ich für den interessierten Leser einmal aufzeigen, wie Schwarzpulver – heute wie vor 160 Jahren – in der Pulvermühle Aubonne hergestellt wird:
Zunächst ein paar erläuternde Ausführungen zu den Ausgangsstoffen:
Schwarzpulver
besteht
in
Hinblick
auf
seine
Wirkung
aus
letztlich
nur
3
Bestandteilen.
Zum
Zweck
der besseren Haltbarkeit, LAgerfähigkeit und Verwendbarkeit
werden dem
Schwarzpulver in speziellen Prozessen am Ende und während des
Herstellungsprozesses noch andere Bestandteile
beigefügt - wie z.Bsp. Graphit. Doch dazu führe ich später
noch etwas
ausführlicher aus.
Zunächst zu den 3 Kernbestandteilen des Schwarzpulvers:
1) Salpeter:
Salpeter = Kaliumnitrat, chemische Formel KNO3
Salpeter musste in der Vergangenheit in mühsamer Arbeit aus organischen Stickstoffverbindungen gewonnen werden. So lies Friedrich II. von Preussen z. Bsp. auf Bauernhöfen Kalkmauern erstellen, die mit Jauche übergossen wurden, um so den Kali-Salpeter in größerem Umfang zu gewinnen. Durch die Zersetzung bildete sich nach 1-2 Jahren so viel Salpeter, dass er aus der Erde ausgewaschen werden konnte. Die Ausbeute betrug etwa 6:1. Aus 6 kg Salpetererde gewann man damals auf Basis dieser Gewinnungstechnik ca. 1 kg Salpeter.
2) Schwefel:

Palette
mit
Schwefel im Rohstofflager der Schweizer Pulvermühle
3) Kohle:
Zur Herstellung von Schwarzpulver wird - zumindest beid er
Schweizer
Pulvermühle - heute fast
ausschließlich die aus dem Faulbaumholz oder Erlenholz
gewonnene
Holzkohle
verwendet. Diese Hölzer werden derzeit aus den Gebieten des
ehemaligen
Jugoslawien und aus Deutschland in die Schweiz importiert.
das
Faulbaumholz-Vorratslager der Schweizer Pulvermühle
Die o.a. Ausgangsstoffe finden i.d.R. in folgenden Anteilen
Verwendung:
Kalisalpeter: 75 %
Holzkohle: 15 %
Schwefel: 10 %
Der Herstellungsprozess des Schweizer Schwarzpulvers:
1. Herstellung des Rohstoffes Holzkohle:
Bei der Pulvermühle Aubonne wird die zur Herstellung des Schwarzpulvers benötigte Holzkohle in der fabrikeigenen Köhlerei nach einem selbst im Verlauf von Jahrzehnten entwickelten Verfahren hergestellt. Ausgangsmaterial sind für das Schießpulver auf eine einheitliche Länge geschnittene Sträuche des Faulbeerbaumes, das zuvor mindestens 3 Jahre gelagert wurde.
Da das im
Freien in Bündeln gelagerte Holz im August/September in
Hinblick auf Feuchtigkeitsgehalt die
ideale
Konsistenz hat, wird in der Pulvermühle Aubonne in diesem
Zeitraum
innerhalb
von 2 – 3 Wochen nahezu der gesamte Jahresbedarf an Holzkohle
in der
Köhlerei
hergestellt. Der Köhlervorgang findet in einem speziellen
Köhlerofen
unter
Luftabschluss bei Temperaturen zwischen 300 – 500 Grad Celsius
statt.
Die
Köhlerei
wird
in
dieser
Produktionsphase Tag und Nacht
betrieben. Nach ungefähr 6-8 Stunden im Ofen wird das so
destillierte
Holz zum
Abkühlen in einen luftdichten Druckbehälter verlagert, wo es
nach dem
(kontrollierten) Abkühlen dann als Holzkohle und Grundstoff
zur
Schießpulverherstellung
entnommen werden kann. Der in
diesen 2-3
Wochen hergestellte Holzkohlevorrat für das gesamte
Produktionsjahr
wird dann
wiederum in eigens hierfür entwickelten Behältnissen gelagert.
Mit einer Abweichung von weniger als 2 % (!!)
wird so pro Köhlereivorgang aus 680 kg Holz als Ausgangstoff
ziemlich
genau 170
kg Holzkohle gewonnen.

die Brennkammer, in
der das Holz zur Holzkohle umgewandelt wird. Danach kommt die
gesamte
Charge es zur kontrollierten Abkühlung sofort in einen
Druckbehälter.

der zum Abkühlen
der
fertigen Holzkohle verwendete
Druckbehälter

die
Behälter, in dem der gesamte Produktionsjahresvorrat an selbst
hergestellter Holzkohle bis zur
Verwendung zwischengelagert wird
Bevor die Holzkohle jedoch in den Produktionsprozess
wandert, wird Sie noch einmal mit einem Metalldetektor auf
Fremdkörper
untersucht, um so die Explosionsgefahr im weiteren
Herstellungsprozess
zu
minimieren. Schon der kleinste übersehene Eisennagel kann in
einem der
nachfolgenden
Herstellungsprozesse den Funken erzeugen, der dann in Folge zu
einer
verheerenden Explosion führt. Bei dem Metalldetektor handelt
es sich um
einen der stärksten Magnete, der derzeit überhaupt technisch
herstellbar ist. Leider konnte ich über die Stärke des
Magnetfeldes in
Gauss bzw. Tesla keine näheren Informationen bekommen. Aber
mit einem
Herzschrittmacher sollte man sich nicht im näheren Umkreis um
den
Magneten aufhalten wurde mir auf meine Frage geantwortet. Auch
wurden
Franz und ich dahingehend belehrt, dass wir das Risiko einer
anschließend möglicherweise defekten Armbanduhr selbst zu
tragen haben.
Also der Metalldetektor/Magnet wird es schon in sich haben -
muss es
auch, wenn man überlegt, dass der im vorangegangenen Text
erwähnte
Unfall eben durch einen kleinen Stahlnagel ausgelöst wurde,
der sich im
Holz befunden hatte.
2. Vermengung und Verdichtung der
Grundstoffe:
Während bei der historischen Pulverherstellung das „Mengen“
der Rohstoffe und das „Dichten“ des Gemenges zum Schwarzpulver
i.d.R.
zwei von
sich getrennte Arbeitsvorgänge waren, werden in der Schweizer
Pulvermühle in Aubonne beide Vorgänge
in einem
Arbeitsgang vorgenommen.
In der Läufermühle werden jetzt die 3 Komponenten zusammengebracht und im laufenden Betreib mit ein wenig Wasser vermischt. Das Wasser fördert den Zusammenhalt der einzelnen Bestandteile und verhindert die Staubbildung. Jedes der beiden Räder der Läufermühe wiegt 5 Tonnen und wird in der Pulvermühle Aubonne mit Wasserkraft angetrieben. Mit ca. 10 Umdrehungen pro Minute vermischt sich Kohle, Salpeter und Schwefel zu Schwarzpulver. Um Funkenbildung zu vermeiden sind die gußeisernen Räder wenige Millimeter über der Wanne aufgehängt. Sämtliche Zahnräder sind daher auch in Holz ausgeführt. Nach 900 – 1200 Umdrehungen ist das ganze eine einheitliche Masse, die aber noch sehr unregelmäßig verdichtet ist und sich in dieser Zustandsform wohl nur als Spreng- oder Artilleriepulver eignet.

Läufermühle
I

das
Gemisch
bzw.
Gemenge
in
der
Wanne
der
Läufermühle
Läufermühle II

Zugabe
von Wasser in das entstehende Gemisch



3.
Pressen des
Schwarzpulvers zum Pulverkuchen :
Um eine regelmäßige Verdichtung zu bekommen,
wird dieses Gemisch bei einem Druck von 30 Tonnen in
einer
Presse zu einem ca. 1 cm dicken Kuchen gepresst: dem
Pulverkuchen, der
in der Schweizer Pulvermühle allerdings gleich wieder mit
einem
Holzhammer von Hand zerkleinert
wird.
Pulverkuchenpresse
4.
Körnen
des Pulvers:
Der mit dem Holzhammer von Hand wieder zerkleinerte Pulverkuchen wandert anschließend in die Körnermaschine wo er zwischen 3 verstellbaren Bronzewalzen zu der gewünschten Korngröße zerquetscht wird. Was zu grob oder zu fein ist wird anschließend ausgesiebt und durchläuft nochmals den unter Punkt 3 beschriebenen Vorgang – wandert also wieder zurück zur Presse, wird dort nochmal zu Pulverkuchen verdichtet, um dann ein zweites, ggf. sogar ein drittes Mal in der Körnermaschine zu landen.

Körnermaschine
5. Abschleifen der Körnerkanten:
Nach
dem unter Punkt 4 beschriebenen Vorgang ist die
Oberfläche der einzelnen Pulverkörner noch sehr kantig. In
großen
Holztrommeln schleift man daher die Körner aneinander ab.
Dieser
Vorgang dauert
bis zu 24 Stunden und erzeugt - in nicht unerheblichem Umfang
-
Wärme.

Die
Holztrommeln,
in
denen
die
Körner
aneinander
geschliffen
und
somit
entkantet
werden.
6. Trocknen des Pulvers:
Noch ist das Schwarzpulver aus den vorangegangenen Herstellungsprozessen mit sehr viel Wasser angereichert und da es von Natur her sowieso schon sehr wasseranziehend ist, gibt es dieses auch nur sehr ungern wieder an die normale Umgebungsluft ab. Im Gegenteil: sobald die Luftfeuchtigkeit steigt, nimmt es sogar noch mehr Wasser aus der Luft auf. Insofern könnte man Schwarzpulver sogar als Trockenmittel einsetzen – wenn es nicht so gefährlich wäre. Aus diesem Grund wandert es jetzt in einen speziellen Trockenraum, wo es bei den Schweizern über einen Zeitraum von 24 Stunden bei konstant 40 Grad Celsius trocknet.

einer
der
zur
Trocknung
verwendeten
Räume
7. Polieren und Graphitieren des Pulvers:
Das so getrocknete Pulver wandert jetzt noch einmal zurück in Holztrommeln, in die man dieses Mal aber Graphit beigibt. Wieder wirken diese Holztrommeln wie Poliertrommeln: Pulverkörner und Graphit reiben aneinander und das Graphit poliert das Korn noch etwas rundlicher und lagert sich sogar daran an. Dieser Vorgang gibt dem Schweizer Schwarzpulver seinen weltweit bekannten silbrigen Glanz, verhindert gleichzeitig aufgrund seiner Anlagerung an das Korn die erneute Aufnahme von Wasser aus der Luftfeuchtigkeit heraus und macht das Schwarzpulver somit auch fit für den Transport und ggf. längere Lagerdauer beim Händler und/oder Schützen. Richtig und sachgemäß (trocken!) gelagert bleibt daher das Schweizer Schwarzpulver auch noch nach 100 Jahren und mehr zündfähig und es ist über Jahrzehnte ein konstantes Zündverhalten zu erwarten.
Die
Graphitiertrommeln
der
Schweizer
Pulvermühle
8. Aussiebung/Verpackung:
Nach einer letzten Aussiebung (Granulierung) in der Granuliermaschine ist das Schwarzpulver entsprechend seiner tatsächlichen Körnung bereit zur Abpackung. In einer hochpräzisen Abfüllanlage werden die Dosen im Originalgebinde des Herstellers aufs Gramm genau befüllt, bevor es dann – palettenweise- zum Versand in alle Welt kommt.

Von
jeder Produktionscharge nimmt
der Produktionsleiter in seinem eigens von Ihm eingerichteten
Labor vor
Beginn des Abpackvorganges
Proben. Diese lagert er in
einem
eigenen Probenlager ein und notiert sich die genauen Daten, zu
welchen
inneren
und äußeren Bedingungen diese Charge produziert wurde. Die
Probe wird
auch
einer chemischen Analyse unterzogen. Ja sogar das typische
Abbrandverhalten
einer Charge mit all seinen physikalischen Eigenarten wird
ebenfalls
ermittelt
und schriftlich festgehalten. Sollte es
irgendwann einmal zu Abweichungen in der Konsistenz oder zu
Unfällen
kommen,
wäre die genaue und ursprüngliche Zusammensetzung und
Konsistenz aus
dieser
spezifischen Produktionscharge noch nach Jahrzehnten
nachweisbar und
evtl. Veränderungen
durch falsche Lagerung, Verunreinigung etc. rekonstruierbar.

das
oben
beschriebene
persönliche
Labor
des
Produktionsleiters
Früher
wurde
bei den Schweizern das Pulver der
einzelnen Herstellchargen vor Abgabe ebenfalls auf eine
gleichbleibende
Qualität beim Herstellungsprozess überprüft. Hierzu kam ein
Probemörser
zur
Verwendung der jeweils mit 92
Gramm
Schwarzpulver aus der laufenden Charge gefüllt wurde und
dessen Kugel
dann bei
der Körnung Nr.4 zum Beispiel 298,5 m fliegen sollte und bei
der
Körnung Nr.5
beispielsweise 226,5 m. Dabei
durfte die
Abweichung von Charge zu Charge höchstens +- 4,5 m betragen.

der
Proben-Mörser
der
Schweizer
Pulvermühle
„Umrechnung der Lademenge von Deutschem Jagdschwarzpulver in Schweizer Pulver:
0,6 x Ladung = Ladung CH2
(z.Bsp.: 0,6 x 50 Grain = 30 Grain CH2)
Umrechnung der Lademenge von Schweizer Pulver in Deutsches Pulver:
1,7 x Ladung CH2 = Ladung Deutsches Pulver
(Z.Bsp: 1,7 x 30 Grain CH2 = 51 Grain Deutsches Pulver) „
Weiter erläutert Wolfgang Stephan:
„Wie aus dem vorgenannten Beispiel zu ersehen ist, braucht man bei „CH2“ – Pulver 20 Grain weniger Pulverladung! Und 20 Grain Pulver sind eine Menge „Stoff“! Ein Überladen kann zur Zerstörung der Waffe führen!!!“ “
Zitat Ende
Daher
sind
die von Gegnern des
Schweizer Pulvers immer wieder ins Gerede gebrachten höheren
Preise des
Schweizer
Pulvers zu
differenzieren und ein konsequenter Verwender der Schweizer
Pulversorten hat
bei
genauerem Nachrechnen u.U. am Jahresende sogar weniger für
Pulver
ausgegeben
als seine Kameraden, die sich anderer Pulversorten bedienen – nicht zuletzt wegen der höheren
Energie- und
Schüttdichte, welche das Schweizer Pulver auszeichnen und von
anderen
Pulversorten abhebt.
Aber Vorsicht: Was bei der einen Waffe nachgewiesenermaßen für bessere Trefferlagen sorgt, kann bei einer anderen ebenso sicher zu einer Präzisionsverschlechterung führen. Man kann es daher nie oft genug sagen: Das Schwarzpulverhobby läuft nicht nach standardisierbaren Mustern ab: für jede individuelle Waffe muss die richtige und genau auf diese Waffe ideal passende Pulversorte, Pulverkörnung und Pulvermenge erst einmal in aufwändigen Experimentierphasen ermittelt werden. Nur wer möglichst alle Kombinationsformen ausprobiert hat, kann erwarten, dass er auf Dauer das Beste an Präzision aus seiner Waffe herausholt – zumindest wenn er mit gleichem Aufwand auch die anderen verwendeten Komponenten in Hinblick auf Optimierung ermittelt hat – denn das beste Pulver nutzt nichts, wenn Fettpflaster und Bleikugel nicht zusammen harmonieren oder das verwendete Fett noch nicht die richtige Konsistenz hat. Selbst das verwendete Zündhütchen hat - in Kombination mit dem Piston (z.Bsp.: mit oder ohne Turbobohrung etc..) - ein Wörtchen mitzureden, wenn es um das Präzisions-Feintuning geht.
Schwarzpulver
wird
seit
seiner
Erfindung
in
den
verschiedensten
Variationsformen
hergestellt.
Beeindruckt
waren
Franz
und
ich
daher von
der Sammlung, die uns der Produktionsleiter der Poudrerie
d´Aubonne am
Schluss noch gezeigt hat. In der
vorgefundenen Form dürfte Sie weltweit sogar einmalig sein.
Über 160
Jahre
wurde da gesammelt – Schwarzpulver in allen Formen,
Variationen und
Pulverkorn- bzw.
Kugelgrößen.

Sammlung der
verschiedenen Variationen, in denen Schwarzpulver in den letzten
160
Jahren in der Schweiz hergestellt wurden.
Aktuell werden in der Pulvermühle Aubonne als
Schießpulver noch folgend aufgeführte Korngrößen hergestellt:
Bezeichnung: Körner
per
Gramm: Körnung:
Anwendung:
Nr.1
10.000 - 15.000
0,226 mm – 0,508 mm
Vorderladerpistole
Kaliber <
.40
Nr.2 3.000 - 4.000 0,508 mm – 0,870 mm VL-Pistole/-Revolver Kaliber > .40
Nr.3 1.000 - 2.000 0,670 mm – 1,360 mm Vorderladergewehr
Nr.4 700 - 900 0,900 mm – 1,360 mm Vorderladergewehr große Kaliber
Nr.5 470 - 520 1,200 mm – 1,600 mm Vorderladergewehr sehr große Kaliber
Als
Artillerie- und Böllerpulver, Sprengpulver und als
Feuerwerkspulver darüber hinaus dann noch in weiteren 8
unterschiedlichen Körnungen.
Bei
entsprechendem Bedarf und bei entsprechender Nachfrage können
weitere
Varianten
des Schweizer Schwarzpulvers für alle Anwendungsgebiete - ggf.
auch auf
Kundenwunsch - hergestellt und geliefert werden.
Dennoch:
Im
Bestreben,
die
heute
schon
sehr
hohe
Qualität
Ihrer
Pulversorten
zu
erhöhen,
forscht
und
entwickelt
man in der Pulvermühle in
Aubonne weiter an verschiedenen
Konsistenzen, Körnungen, Mischungen, Variationsformen etc..
Als
ein
Ergebnis dieser Forschungs- und Laborarbeiten lagern
vermutlich noch
knapp 2-3 kg des Schweizer Pulvers in der Pulvermühle, die
kurz nach
der Jahrtausendwende (versuchsweise) in
Kugelform produziert wurden. Auch wenn in dieser Variante der
Pulverform
nach
ersten Experimenten nicht unbedingt die Präzision in den
Vorderladerwaffen
erhöht werden kann: zumindest Metallpatronen lassen sich
leichter
befüllen, das
Laderöhrchen könnte im Einzelfall überflüssig werden und etwas
weniger
Schmauch hinterlässt
diese
Variationsform auch – warum auch immer. An sich gute
Voraussetzungen
für die
Verwendung
in Schwarzpulverdisziplinen im Bereich der
Unterhebelrepetierer bzw.
Metallpatronen (long range etc..)!! Meines Wissens
werden die
Experimentierreihen in Sachen Kugelform in der Schweiz jedoch
schon
seit ca. 2004 nicht
weiter fortgeführt,
da die Nachfrage nach Schwarzpulver in Kugelform weltweit
einfach zu
gering war und der wesentlich
aufwändigere (und vor allem gefährlichere) Herstellungsprozess
die
Körner in möglichst gleichmäßge Kugelform zu bringen diese
Variante nur
noch weiter verteuern würde. Erschwerend kommt dazu, dass die
Verbraucher in Zeiten wie diesen
einfach nicht mehr bereit sind, den unvermeidbaren Mehrpreis
dann
auch tatsächlich zu bezahlen. Abgesehen von den Kosten, die im
Zusammenhang mit einer Zulassung einer neuen Pulversorte (eben
Schwarzpulver in Kugelform) bei der BAM in Berlin noch
obendrauf kommen
und so den Preis noch weiter erhöhen würden...
Hier endet der eigentlich
vorgesehene Umfang des Berichtes zur Herstellung der
Schweizer
Pulversorten in der letzten Schweizer
Schwarzpulverfabrik! Ich
möchte nachfolgend aber noch einen klein wenig zum Thema
"Vermarktung
des Schwarzpulvers" ausführen und den ein oder anderen um
Unterstützung
in Sachen 500 Gramm Gebinde bitten. Aber lest hierzu
nachfolgenden Text
bitte selbst:
In
Deutschland die bisher gängigste Verpackungseinheit
sind 1 kg Packungen/Gebinde, während in der Schweiz selbst
auch 100
Gramm Gebinde
angeboten werden. Für den US-Markt gibt es sogar 454 Gramm
Gebinde.
Nachdem die SPI mit Unterstützung des Pulvergroß- und
Pulverfachhandels
sich unermüdlich dafür eingesetzt hat, gibt es jetzt - neben
nahezu
allen anderen Pulversorten - auch die gängigen Schweizer
Pulversorten
im kundenfreundlichen 500 Gramm Gebinde.
Dass
es
derzeit z.Bsp. in Deutschland auch das
Schweizer Pulver in 500 Gramm Packungen gibt, ist in nicht
unerheblichem Umfang auch auf den Franz Müller
(Pulver
Müller in Palling) zurückzuführen, der die Sorten CH 1 und CH
2 schon
seit
längerem in eigener Regie in 500 Gramm Gebinden abfüllt und
der sich
hierzu von
der BAM (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung mit
Sitz in
Berlin)
extra für dieses 500 Gramm- Gebinde eine (teure und
aufwändige)
Zulassung eingeholt hat. Denn es wäre
einfach
nicht Deutschland, wenn man Schwarzpulver einfach nur in
andere
Packungseinheiten abfüllen dürfte. Ohne
Genehmigung
durch die BAM geht in Deutschland nunmal gar nichts. Das
sieht in den
USA
und vielen anderen Ländern ganz anders aus. Daher ist es
kein Wunder,
dass die Schweizer Pulversorten, die in großen Mengen in die
USA
exportiert werden in den USA zum Teil weniger als die Hälfte
kosten
als bei uns in Deutschland. Dort haben die Pulverhändler
(und
Hersteller!)
nunmal nicht die Auflagen an Verpackung, Transport und
Lagerung als wir
hier in Deutschland haben. Über den Sinn und Unsinn einer
zunehmend
ausufernden Bürokratie soll an dieser Stelle aber
nicht
diskutiert werden. Es mag sich jeder selbst seine eigene
Meinung
bilden, ob derart viele Auflagen wie wir es hier in
Deutschland haben
wirklich nötig sind. Fakt ist, dass
wir diese Situation hier nunmal haben - und selbst die
strengsten Auflagen sind allemal noch besser als das
ebenfalls in
vereinzelten Staaten vorkommende totale Besitzverbot von
Schwarzpulver...
Auf
den
ersten Blick ist (und bleibt) das Schweizer Pulver somit das
teuerste
Pulver
im internationalen Vergleich. Wie bereits erwähnt ist in
Schwarzpulverschützenkreisen aber bekannt, dass aufgrund
seiner
hohen Energiedichte die ansonsten gängigen Ladungen um ca. 20
%
reduziert
werden können, um vergleichbare Leistungen und Trefferlagen
wie mit den
anderen
Pulvern zu erzielen. Somit fallen die Schweizer in Sachen
Preis -
entgegen der Ansicht vieler Schwarzpulverschützen - nicht
wirklich aus dem preislichen Rahmen. Auch ist
nicht für jede Waffe jedes Pulver gleichermaßen geeignet, und
so muss
letztlich
jeder Schwarzpulverschütze für sich selbst den Hersteller und
die
Körnung finden mit deren
Kombination er
die besten
Ergebnisse mit seiner Waffe erzielt. So können die
WANO-Pulversorten
sowie das Pow-Ex (ebenfalls in der Pulvermühle Kunigunde
hergestellt)
die Schweizer Pulversorten ideal ergänzen. Man kann schon mit
Sicherheit sagen, dass dort, wo man mit den Schweizer
Pulversorten in
Sachen Präzision nicht hinkommt, dann die Verwendung der WANO
und/oder
die von Franz Müller entwickelten POW-EX Pulversorten in den
passenden
Körnungen zum gewünschten Ergebnis
führt.
Eben
das macht Ihn ja aus, den großen Reiz am
Schwarzpulverschießen. Nicht steht von vornherein fest- die
ideale
Kombination von Waffem, Geschoss, Pflaster, Pflasterfett,
Pulversorte,
Pulverkörnung, Pulvermenge, Piston und Zündhütchen muss für
jede
einzelne Schwarzpulverwaffe erst in der Praxis aufwändig für
den
einzelnen Schützen individuell ermittelt werden.
Es
bleibt zu hoffen, dass die Nachfrage an
Schwarzpulver in
Deutschland in den
nächsten Jahren wieder ein klein wenig steigt, denn ein
zunehmender
Teil der Produktion
des
Schweizer Pulvers wandert inzwischen nicht mehr nach
Deutschland oder
Europa,
sondern in die USA, wo den Händlern aufgrund der minimalen
staatlichen
Auflagen, auch noch eine
angemessene Netto-Marge bleibt.
Bleibt
also
festzuhalten, dass das Schwarzpulverhobby eine wesentlich
komplexere
Angelegenheit ist, als es auf den ersten Blick her erscheint –
und wer
hier
gar
mit dem Anspruch antritt, die Rahmenbedingungen insgesamt
verbessern zu
wollen, der
muss – mehr
als in allen anderen Variationsformen des Schießsportes –
Hersteller,
Importeure, Groß- und Einzelhandel, Politik, einzelne
Genehmigungsbehörden, Ministerien und
Schützen möglichst an einen gemeinsamen Tisch bringen und darf
bei
allen
Aktivitäten die Interessenlagen jeder einzelnen am Prozess
beteiligten
Partei
nicht aus den Augen verlieren. Er muss die Hintergründe kennen
und zum
Beispiel wissen, dass der
Waffenhandel den
Handel mit den Treibladungspulvern nun schon seit Jahren nur
noch als
Service für seine
Kunden betreibt – nicht mehr aber, um damit sein Auskommen
bzw. seine
wirtschaftliche Existenz zu sichern. Würde er seine Existenz
allein aus
dem Pulververkauf sichern wollen, dann müsste er
einen
Pulverpreis nehmen, der weit über dem
heute üblichen Marktpreis liegen würde.
Dieses "über den
Tellerrand hinausschauen" spreche ich den rein auf den
Schießsport
ausgelegten konventionellen Verbänden kategorisch ab. Und
daher braucht
sich auch niemand wundern, dass man heutzutage auch schon
mal bis zu
200 km fahren muss bis zum nächsten Pulverhändler. Das ist
u.a. das
Ergebnis einer über Jahrzehnte hinweg ausschließlich auf die
Interessen der Sportschützen zurückreduzierten
Verbandswesens. Was
interessiert da die wirtschaftliche Situation der
Waffen- und/oder Pulverhändler. Auch ist es solchen
Verbänden doch
letztlich wurscht, welche Verwendungserlaubnis oder
Verpackungsgrößen
die einzelnen Pulversorten haben und ob das Händlernetz
gerade wächst
(bis Mitte der 1990-er Jahre) oder schrumpft (seit ca. 1996)
.
Zumindest bei der SPI
sieht es in dieser Hinsicht ganz anders aus. Wir kümmern uns
auch um
die Interessen
unserer gewerblichen Mitglieder. Da werden deshalb zugunsten
der
Hersteller und des Handels ganz gezielt neue Disziplinen
geschaffen - z.Bsp. Luntendisziplinen oder Disziplinen für
Zündnadelgewehre bzw. getrennte für Revolver mit offenem
bzw.
geschlossenem Rahmen, damit sich endlich wieder eine
Nachfrage an
solchen Waffen
entwickelt oder bei erlaubnispflichtigen
Schwarzpulverfeuerwaffen ein
waffenrechtliches Bedürfnis überhaupt erst entsteht (wie
z.Bsp. bei den
modernen Schwarzpulver-Inlinern, für die wir 2009 eigene
Diszipline
entwickelt haben). Und der Erfolg gibt uns recht:
endlich werden
Sie auf
SPI-Meisterschaften wieder herausgekramt und geschossen, die
Luntenpistolen und die Luntengewehre, die Navy-Colts
mit dem
offenen Rahmen, die Modellkanonen
und sogar die mit Schwarzpulvermotoren angetriebenen
Modellraketen...
Das haben wir in den letzten Jahren mit einer
derartigen
Konsequenz durchgezogen, dass inzwischen schon erste andere
konventionelle Verbände
Anleihen an der SPI Wettkampfordnung gemacht haben, wo wir
bis zu einem
gewissen Grad auch gar nichts dagegen haben, da es der Sache
förderlich
ist. Dass dann in Folge irgendwann auch wieder mehr
Pulver
verbraucht wird, ist die logische
Konsequenz. So haben am Ende alle in der Wertschöpfungskette
involvierten Parteien - einschließlich der Schützen - etwas
davon und
in gewisser Weise sorgt ein steigender Verbrauch dann
irgendwann einmal
wieder für stabile Preise.
Vor
diesem Hintergrund würde ich mich sehr freuen, wenn möglichst
alle
Schwarzpulverschützen den Franz Müller, die Essing
Sprengstofftechnik
GmbH, die WANO , di eSchwizer Pulvermühle und letztlich alle
uns seit
Gründung verbliebenen oder
inzwischen neu hinzugekommenen gewerblichen
Mitglieder im Pulverumfeld und Waffenfachhandel und natürlich
auch mich
in
unseren
gemeinsamen Bemühungen zur generellen
Verbesserung der Rahmenbedingungen für das
Schwarzpulverschießen aktiv
unterstützen würden.
Nur
ein
Beispiel, wo man uns aktiv und ganz konkret in unserem
Anliegen
bezgl. 500 Gramm Packungen unterstützen könnte:
Liebe
Inhaber
einer Erlaubnis nach §27 Sprengstoffgesetz: Besteht doch bitte
alle im konkreten Bedarfsfall
beim Pulverhändler Eurer Wahl unbedingt
auf die Lieferung der 500 Gramm Gebinde in der gewünschten
Pulversorte
und Körnung, denn im
Pulvergroßhandel sind diese definitiv in allen gängigen Sorten
und
Körnungen schon seit mindestens Ende 2004 bestellbar und
verfügbar!
Lasst Euch nicht mehr mit fadenscheinigen Ausreden abwimmeln
und
wechselt im Notfall dann schon auch mal den Händler.
SPI-Mitglied
Jürgen
Achenbach vom Vorderladershop macht inzwischen laut eigenen
Angaben in
seiner Region fast schon mehr Umsätze mit den 500 Gramm
Schwarzpulvergebinden. Oder deckt Euren Bedarf beim Robert
Supper in
Sersheim im
Rahmen der Süddeutschen Meisterschaft oder beim Norbert
Pilster in
Norddeutschland. Denn wie soll das sonst funktionieren, wenn
andere
Pulverhändler die 500 Gramm Schwarzpulverpackungen schon seit
Jahren
boykottieren und einfach nicht über den Pulvergroßhandel
beziehen bzw.
nicht in Ihr Produktsortiment aufnehmen? Die Nachfrage nach
den
kleineren Packungen ist definitiv da, wie mir nicht nur der
Jürgen
Achenbach
sondern auch der Robert Supper vom SV Sersheim und andere
Pulverhändler
sowie unzählige SPI-Mitglieder auf Anfrage berichtet haben..
Welchen
Wert
unsere konzertierten diesbezüglichen Bemühungen und
Aktivitäten
haben, wissen zumindest
diejenigen, die aufgrund einer mangelnden
Druckentlastungsfläche am
privaten Lagerort nur
die Hälfte der gesetzlich zulässigen Höchstmenge aufbewahren
dürfen und
daher zu Zeiten, als es in den meisten gängigen Sorten nur die
1 kg
Gebinde gab, zunächst gar keine
behördliche Erlaubnis zum Pulvererwerb bekamen, da das Pulver
bekanntlich beim Pulverhändler ja nur in Originalgebinden
abgegeben
werden darf. Aber auch der Schütze, der für die
unterschiedlichen
Waffen die jeweils passenden Körnungen benötigt, weiß, was es
wert ist,
wenn er die unterschiedlichen Körnergrößen auch im 500 Gramm
Gebinde
erwerben kann. Denn schnell ist die gesetzlich zulässige
Höchstmenge
(1kg im unbewohnten Nebenraum bzw. maximal 3 kg im unbewohnten
Nebengebäude) erreicht. Und wie
soll es denn funktionieren, wenn man beispielsweise maximal
nur 1 kg
zuhause lagern darf, man aber 2 verschiedene Körnungen
benötigt und die
gewünschte Pulversorte und Körnung im Pulverhandel nur im 1 kg
Gebinde
verfügbar ist und die Abgabe vom Handel nur im Originalgebinde
zulässig
ist ??? Bitte unterstützt daher die Bemühungen der
gewerblichen
SPI-Mitglieder aus dem Pulvergroß- und Einzelhandel, die
gängigen
Pulvbersorten und Körnungen flächendeckend auch im 500 Gramm
Gebinde
verfügbar zu machen und lasst Euch nicht von Händlern
vertrösten, die
da fälschlich behaupten, die gewünschte Schwarzpulversorte sei
im
Handel nicht im 500 Gramm Gebinde verfügbar. Sonst laufen wir
eines
Tages Gefahr, dass die mühsam von uns eingeführten 500 Gramm
Gebinde
sukzessive wieder vom Markt verschwinden - denn es ist für
alle
beteiligten Unternehmen tatsächlich logistisch und auch
finanziell ein
enormer Aufwand, ein und diesselbe Pulversorte in mehreren
Packungsgrößen logistisch flächendeckend verfügbar zu halten.
Den damit
verbundenen Mehrpreis sollte uns aber eine solche Logistik
alle wert
sein, denn wenn der Markt die 500 Gramm Packungen über Jahre
hinweg
nicht in ausreichendem Umfang annimmt, dann ist es nur eine
Frage der
Zeit, wann Hersteller und Großhandel sich die damit
verbundenen
Mehrkosten wieder einsparen.
Es
ist
unter langfristigen Aspekten einfach nicht damit getan, in der
Ausübung
dieses schönen Hobby immer einzig und allein nur auf die
Ausübung des
Schießsportes zu achten - uns allen sollte auch etwas daran
liegen,
dass die Untenehmen, die in diesem Umfeld Ihre
unternehmerische
Existenz und Zukunft sichern wollen auch künftig noch eine
Überlebenschance haben und nicht mangels schrumpfender Umsätze
und
Nachfrage früher oder später erst einzelne Produkte und später
vielleicht sogar den gesamten Betrieb einstellen müssen.
In
der
Hoffnung, ein klein wenig Aufklärung und
Wissenserweiterung in
Sachen Schwarzpulverherstellung
und dessen Vermarktung sowie einen ersten kleinen Nachweis zur
Existenzberechtigung der SPI geleistet zu haben, um so
vielleicht den
ein oder anderen sogar zum Beitritt in die
SPI bewegen zu können, wünsche ich allen aktiven
Schwarzpulverschützen weiterhin
"Feuer
frei
- bei Pulver und Blei! "
Euer
Helmut
Leiser
dieser
Textbeitrag
ist
online
seit
08.01.2011